Die Schweizer Landwirtschaft

5. Februar / Nicole Raschle/Pirmin Koster

Wir haben mit einem Berufsbildner des Strickhofs gesprochen und ihm Fragen gestellt.

Fragen an einen Berufsbildner des Strickhofs:

 

  • Was gibt es für Ausbildungsmöglichkeiten nach der obligatorischen Schulzeit in die Landwirtschaftsbranche?

Der Strickhof bietet eine breite Palette an landwirtschaftlichen Berufsausbildungen an. Dazu gehören: Landwirt/in EFZ, Agrarpraktiker/in EBA, Obstfachmann/-frau EFZ, Winzer/in EFZ, Pferdefachmann/-frau EFZ sowie Pferdewart/in EBA.

 

 

  • Was gibt es für Weiterbildungsmöglichkeiten bei einer landwirtschaftlichen Grundbildung?

Der Strickhof bietet im Bereich der Höheren Berufsbildung folgende praxisorientierten landwirtschaftlichen Weiterbildungen an: Landwirtschaftliche Handelsschule, Agro-Techniker/in HF, Weinbautechniker/in HF, Betriebsleiterschule sowie die Fachausbildung Bäuerin/Bäuerlicher Haushaltsleiter. Weiterbildungsinteressierte können am Strickhof zudem eine breite Palette an Kursen, Flurbegehungen und weiteren Veranstaltungen zu diversen Themen besuchen, an denen aktuelles Fachwissen vermittelt wird. Ausserdem kann man am Strickhof während oder nach der Grundbildung die Berufsmaturität erlangen, welche den prüfungsfreien Zugang zum Studium an eine Fachhochschule oder via Passerelle an die Uni/ETH ermöglicht.

 

 

  • Was gibt es für Möglichkeiten für einen Quereinsteiger?

Wer bereits eine EFZ-Lehre oder die Matura absolviert hat, kann die Ausbildung zum/zur Landwirt/in EFZ in einer Zweitausbildung machen. Als Vollzeitausbildung dauert diese zwei Jahre. Wenn Sie mindestens 22 Jahre alt sind und bereits fünf Jahre Berufspraxis vorweisen können – davon 3 Jahre in der Landwirtschaft – haben Sie auch die Möglichkeit, die EFZ-Ausbildung berufsbegleitend während 3 Jahren zu absolvieren. Die Berufsfachschule am Strickhof findet in separaten Klassen statt.

Für die Weiterbildungen gilt: Die HF Agro-Techniker oder die Betriebsleiterschule können auch Personen absolvieren, die über eine Zweitausbildung Landwirt/in EFZ und eine einjährige Berufserfahrung in der landwirtschaftlichen Branche verfügen. Quereinsteiger ohne landwirtschaftliche Vorbildung können am Strickhof die landwirtschaftliche Handelsschule (Oktober - April) absolvieren oder auch die Aufnahme an die HF «sur dossier» angehen.

 

Die Fachausbildung Bäuerin/Bäuerlicher Haushaltsleiter kann mit einem EFZ oder einer Matura besucht werden. Um anschliessend die Berufsprüfung zur Bäuerin/Bäuerlicher Haushaltsleiter mit Eidg. Fachausweis zu machen, müssen die AbsolventInnen zwei Jahre Praxiserfahrung auf einem direktzahlungsberechtigten Betrieb nachweisen können.

 

 

  • Im Gegensatz zu früher, wie hat sich die Ausbildung verändert? (Voraussetzungen, Ansprüche nach der Lehre, Technologie, Verständnis)

Landwirtinnen und Landwirte hatten schon früher einen sehr vielseitigen Beruf. Sie arbeiten mit der Natur und haben Freude am Umgang mit Pflanzen, Tieren und Technik. In allen Bereichen ist der Beruf Landwirt/in EFZ zunehmend von der Digitalisierung betroffen – sowohl im praktischen wie im administrativen Bereich. Der routinierte Umgang mit digitalen Medien wird immer wichtiger als Vorbereitung auf die berufliche Zukunft. Der Umgang mit fordernden Anspruchsgruppen wird eine immer grössere Herausforderung und erfordert zunehmend kommunikatives und psychologisches Geschick.

 

Märkte werden dynamischer und Konsumenten ändern ihre Bedürfnisse schneller. Ernährungstrends fordern die Landwirtschaft, ungewohnte Wege zu gehen wie zum Beispiel Nischenproduktion und Ausbau der Direktvermarktung. Die politischen Erwartungen an die Landwirtschaft steigen. Die agrarpolitischen Rahmenbedingungen ändern sich in kürzeren Abständen. Die Digitalisierung fordert über das landwirtschaftliche Handwerk hinausgehende Kompetenzen. Dies alles erhöht die Bedeutung des «lebenslangen Lernens» auch für Berufstätige im landwirtschaftlichen Umfeld.

 

 

  • Was für Möglichkeiten gibt es im Bereich der akademischen Ausbildungen?

Agronomie kann man in der Deutschschweiz an der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) in Zollikofen oder an der ETH Zürich studieren. Die BMS Natur, Landschaft und Lebensmittel bietet für beide akademischen Ausbildungen eine optimale Grundlage.

 

 

  • Was sind die Anforderungen einer solchen Ausbildung?

Um an der HAFL studieren zu können, müssen Sie über die Berufsmaturität, eine gymnasiale Maturität, eine Fachmaturität oder eine gleichwertige schulische Vorbildung verfügen. Zudem gibt es berufliche Voraussetzungen: So müssen Sie entweder eine Berufslehre als Landwirt/in EFZ abgeschlossen oder ein Vorstudienpraktikum auf einem Landwirtschaftsbetrieb absolviert haben. Um an der ETH aufgenommen zu werden, gibt es zwei Wege:

-        Sie verfügen entweder über eine gymnasiale Maturität, einen Bachelor oder einen Diplomabschluss einer Fachhochschule

-        oder Sie absolvieren nach einer abgeschlossenen Berufslehre die Berufsmaturität bzw. die Passerelle.

Detaillierte Informationen zur Zulassung an die verschiedenen Hochschulen finden sich auf den jeweiligen Webseiten.

 

 

  • Wo kann danach gearbeitet werden?

Agronomen und Agronominnen arbeiten in den Bereichen Landwirtschaft, Industrie, öffentliche Verwaltung, Beratung, Treuhandwesen, Organisationen sowie in der Wissenschaft und Forschung.

 

 

  • Ihre Meinung über die Bildungsveränderung (früher vs. heute)?

Das für den Beruf erforderliche Wissen und Können verändert sich durch den technischen Fortschritt und aufgrund der gesellschaftlichen Entwicklungen laufend. Folglich müssen wir auch die Inhalte und Methoden in der Ausbildung immer wieder überdenken und anpassen. Das ist eine spannende Herausforderung und sehr wichtig, weil wir die Lernenden auf ihre berufliche Zukunft bestens vorbereiten wollen.

           

 

  • Was muss eine gute Führungskraft mitbringen?

Führungskräfte müssen strategisch und vernetzt denken können, über gute Fachkenntnisse verfügen, belastbar sein und trotz hohem Druck die Übersicht behalten können. Gute Kommunikationsfähigkeiten und eine zielstrebige, effiziente Arbeitsweise gehören ebenfalls zu den Eigenschaften von Führungskräften.

 

 

  • Lohnt es sich heute noch, eine landwirtschaftliche Ausbildung zu machen? (Zukunftsaussichten, Lohnperspektiven, Arbeitsbedingungen)

Ein Berufsabschluss im Berufsfeld Landwirtschaft eröffnet viele spannende Wege für die Zukunft. Der Beruf ist vielseitig und bietet einen interessanten Arbeitsalltag. Wer auf die berufliche Weiterbildung setzen will, hat dazu im Berufsfeld viele Möglichkeiten.

Die Arbeit mit der Natur und die Aussicht dereinst als selbstständige Unternehmerin oder selbständiger Unternehmer einen Betrieb zu führen, hat nichts von seinem Reiz eingebüsst.

Abschlüsse an einer höheren Fachschule für Agrartechnik, Lebensmitteltechnologie oder Weinbautechnologie sind hervorragende, praxisorientierte, unternehmerische Weiterbildungen. Den Absolventinnen und Absolventen erschliesst sich dabei das Vakuum, welches die reine Akademisierung in der realen Wirtschaft hinterlässt.

 

 

  • Sind die Klischees der Landwirtschaft immer noch so präsent wie früher oder hat es sich positiv/negativ verändert? (Konservativ, schulisch nicht so stark, hinterwäldlerisch, altmodisch)

Als Strickhof können wir nicht für die «Landwirtschaft» sprechen. Unbestreitbare Tatsache ist hingegen, dass die Führung einer landwirtschaftlichen Unternehmung heute mit diesen «Klischees» nicht mehr möglich ist.

Wer heute einen Lehrabschluss als Landwirtin oder Landwirt EFZ macht, darf mit gutem Grund stolz sein.

 

 

  • Wo liegen die Kernpunkte in einer Landwirtschaftlichen Ausbildung? (Tierwohl, Management, Maschinen, Buchhaltung, Technologien, Nachhaltigkeit)

In all diesen Bereichen muss sich eine angehende Landwirtin, ein angehender Landwirt EFZ Kompetenzen aneignen.

 

 

  • Welche Weiterbildungsform würden Sie einem interessierten Bergbauern beziehungsweise einem «Flachlandbauer» empfehlen?

Egal ob Bauer im Berggebiet oder Flachland: Sehr empfehlenswert ist eine regelmässige Weiterbildung und der Austausch unter Berufskollegen. Die landwirtschaftlichen Zentren der Kantone bieten ein umfangreiches und vielfältiges Kurs- und Informationsangebot an.

 

Grundsätzlich ist die Wahl einer Weiterbildung abhängig von den Zielen, die ein Landwirt, eine Landwirtin verfolgt. Wird in absehbarer Zeit der Betrieb übernommen, eignet sich die Betriebsleiterschule, damit das bestehende Wissen in der Produktionstechnik vertieft und die Fähigkeiten in der Betriebswirtschaft ausgebaut werden können. Der Inhalt ist stark praxisbezogen und auf den eigenen Betrieb ausgerichtet.

 

Wer eine Tätigkeit in einer der Landwirtschaft vor- und nachgelagerten Branchen vor der Betriebsübernahme oder danach als landwirtschaftlicher Betriebsleiter in Betracht zieht, ist mit einem Abschluss HF Agro-Techniker besser beraten. Mit Hilfe dieser beiden Ausbildungen ist der berufliche Fokus viel weiter gefächert, die möglichen Tätigkeitsfelder sind vielfältiger.

 

           

  • Was muss ein Mensch mitbringen, um bei Ihnen Berufsschullehrer zu werden? (Charakterzüge, Ausbildungsstand, Erfahrungsstand)

Gesucht sind Lehrpersonen mit einer höheren Berufsbildung möglichst mit zusätzlichen Weiterbildung als Berufsschullehrperson im Voll- oder Nebenerwerb. Wichtig ist auch, dass Lehrpersonen aufgrund ihrer Erfahrungen den Praxisbezug im Unterricht herstellen können. Lehrpersonen müssen aktiv Beziehungen zu den Lernenden aufbauen können und bereit sein, ihre Führungsrolle in der Klasse zu übernehmen. Am Strickhof legen wir grossen Wert auf die Berufspraxis, aus diesem Grund haben wir auch viele Lehrpersonen in Teilzeitpensen, welche nicht zwingend einen Abschluss als «Berufsschullehrer» haben, dafür in ihrer Disziplin ausgewiesene Experten sind.

 

 

  • Besteht der Austausch mit anderen Ländern im Sektor Landwirtschaftsausbildung?

Wir pflegen auf Stufe Grundbildung seit vielen Jahren den Austausch mit unserer Partnerschule in Haldensleben im deutschen Bundesland Sachsen-Anhalt. Jeweils im dritten Lehrjahr dürfen unsere Lernenden im Rahmen einer Fachreise nach Ostdeutschland fahren. Sie haben Gelegenheit, sich mit Lernenden in der Ausbildung auszutauschen und erhalten viele interessante Eindrücke der deutschen Landwirtschaft.

In der Weiterbildung haben wir einen angewandt wissenschaftlichen Austausch mit Institution aus der ganzen Welt.

 

 

 

  • Wie viele Landwirte EFZ/EBA schliessen pro Jahr in der Schweiz ab?